Vagabond 2017
Verein · Jörg Trillenberg · 12.05.2017
Vagabond 2017
Vagabond 2017
Am frühen Morgen des 06.05. traten fünf wagemutige Typen der 1. Herrenmannschaft in die Challenge der Saison. Unter der Überschrift Vagabond 2017 entfaltete sich ein Geflecht aus Lauf-, und Athletiktestaten, entlang einer Route von Liberec auf die Lausche, die die Grenze des Machbaren und des Grundgesetzes erreichten. Können Schnellkraftathleten eine aberwitzig lange Ausdauertortur durchstehen? Eine Anfrage beim Bundesgerichtshof spiegelte Zweifel an der Einhaltung unseres Grundgesetzes („Die Würde des Menschen….“; „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“ „Die Freiheit der Person ist unverletzlich.“).
07:30 Uhr Machnin (Vorort von Liberec) – abgesetzt in der kalten, trüben Umgebung eines grauen Dorfes, starteten die fünf Vagabunden in die raue Bergwelt des Isargebirges. Steile und ausgetretene Wege führten hinauf in die Einsamkeit eines Nebelwaldes. Da die Tour ausschließlich am Rechner geplant wurde und niemand auch nur den geringsten Plan von diesem Landstrich hatte, übernahm der Organisator die Führung des Teams durch das Labyrinth von Wegkreuzungen und –querungen. Halbstündig angesetzte CrossFit Übungen unterbrachen die Laufmonotonie und verteilten die Belastungen gleichmäßig auf alle Körperpartien. Zu jeder vollen Stunden durften ein Mix aus Liegestützen und Sit ups – beginnend bei 20, welche sich pro Stunde um eins (1) erhöhte – und zu den halben Stunden diverse Teamspielchen, absolviert werden. Ist der Kitt der zwischenmenschlichen Beziehungen ausreichend? Zeigen sich Risse? Fallen die Masken? Erwartungsgemäß erledigten sich die ersten 20 Kilometer bis zur Grenze bei Lückendorf zügig. Das auf und ab über die tschechischen Gebirgskämme war anspruchsvoll und wurde mit viel Spaß und hoch motiviert absolviert. Christians Sohlen hielt es zwischenzeitlich nicht mehr an seinen Stiefeln. Tape sowie Verbandsmaterial hatten keine Chance unter den extremen Belastungen. Abbruch? Never! Schuhe ab und barfuß weiter! Real Vagabond! Andre stieß bestens gelaunt zum Team hinzu, erzählte anfangs noch Geschichten von der Bundeswehr, und hatte schnell mit sich und seinen nassen Shirts zu tun. Auch Tinos Füße zollten der bisher geleistete Strecke Tribut und mussten medizinisch versorgt werden. Die fortwährenden halbstündig sekundengenau ausgeführten Übungen saugten stetig an den Kraftreserven der strapazierten Körper. Um das Tagesziel nicht im Klein Klein der ersten aufkommenden Zweifel zu gefährden trieb der Organisator das Team stetig entlang der Streckenführung weiter durch die Hinterhöfe Lückendorfs, über Wiesen und Wälder auf den direktesten und steilsten Weg hinauf auf den Hochwald. Kilometer 26 war erreicht. 15 Minuten Pause, ein Getränk, kaum Kommunikation, hinein hören in den Körper, aufsteigende Müdigkeit. Das Tagesziel nicht vergessen! Der zügige Abstieg vom Hochwald über einen mit Steinklumpen zerschlissenen Weg erforderte volle Konzentration und schob die Ermüdungserscheinungen schnell zur Seite. Barefoot Christian wurde hier besonders gefordert, schlängelte sich aber geschickt bergab Richtung Krombach. Die wiedereinsetzende Übungsreihe wartete mit Burpees auf, die zu diesem Zeitpunkt niemand gebrauchen konnte und in eine Quälerei mündeten. Am Horizont zeichnete sich das Tagesziel bei schönstem Nachmittagswetter ab und hing zum Greifen nah vor unseren Augen. Meter für Meter, Kilometer für Kilometer marschierte das Team entlang der Grenzsteine. Auf und ab über unrhythmisch dahin gebaute Naturtreppen, das Springen über sumpfartige Matschtümpel, spannende Kraft-Übungen kennzeichneten die letzten Kilometer. Irgendwann in den Vorabendstunden war es dann soweit. Vor uns breitete sich das Tagesziel aus. Die Ansage, dass sich das Ziel auf dem Gipfel befindet zauberte bei allen ein breites Grinsen in die in Falten gelegten Gesichter. Endlich mal ein richtiger Berg! Nach nahezu vierzig Kilometern stellten sich die Vagabunden der letzten Prüfung – der Lauschegipfel. Jeder Schritt nagte an den letzten noch zur Verfügung stehenden Reserven. Markus’ und Jakobs Gedanken kreisten durch ihre Rucksäcke auf der Suche nach verbleibenden Krümmeln ihrer längst vertilgten Kauflandkekse. Tinos Geist widmete sich den gewachsenen Blasen an den Füßen und Andre bekam plötzlich Schmerzen im Knie. Christians Aufmerksamkeit gehörte der Wegbeschaffenheit, um wie ein Roboter spitzen Steinen und Geäst auszuweichen. Nach rund 11,5h standen alle Landstreicher auf dem Gipfel. Eintrag ins Gipfelbuch, kurzes Beglückwünschen und…? Am Fuß der Lausche wartete schon die Louzika Baude um die Grundbedürfnisse: Duschen, Essen und Schlafen erfüllen zu dürfen. Frei von rationeller Denkweise legten wir uns wie Volleyballer, vor dem Betreten der Baude, auf die Straße, begannen uns ausgiebig zu dehnen. Teile des Teams waren so desorientiert, dass sie aus heiterem Himmel begannen Liegestütze auszuführen. Wahrscheinlich Automatisierungsfolgen der tagsüber eintrainierten Bewegungsmuster.
Nach der Wiedermenschwerdung am nächsten Morgen starteten die Vagabunden auf die letzte Etappe zum Trixi-Bad. Dort sollten alle Routen des Hochseilgartens bewältigt werden. Ankleiden, kurze Einweisung und ab in die Baumkronen. Viel Koordination, Fitness und bisschen Überlegen waren gefragt. Höhepunkt war das legendäre „Hour glass“ –ein Mythos ähnlich der Eiger Nordwand –das alle als machbare Hürde meisterten. Ansonsten wurde viel gehangelt, geflogen, gerutscht, balanciert, gewackelt, Kuchen und Eis gegessen und….wieder das Phänomen vom Vortag….die gleichen zwei Vagabunden fingen wieder an Liegestütze zu machen. Verrückt. Das muss in den nächsten Trainingseinheiten weiter beobachtet werden, um chronische Fehlfunktionen des Stammhirnes auszuschließen. Einige Bilder findet ihr in der Galerie.