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tough mudder 2018 (mit Video)

Verein · Lennard Roßmy · 09.09.2018

Ein kurzer Abriß von der diesjährigen Teilnahme am tough mudder 2018...

Ein dezentes Summen durchschneidet mein Kopfdickicht aus Müdigkeit und Alkohol. Ein Blick auf die Uhr verrät 06:45 Uhr. Das letzte von unzähligen Bieren liegt gerade 4 Stunden zurück und erdet die Klarheit im Kopf auf das Niveau einer Küchenschabe. Angezogen, ins Auto und ab zum Treffpunkt. Zweie sind schon da. Der Glanz in deren müden Augen erzählt vom gemäßigten Bewegungsdrang. Der Rest des Teams ist schnell in die Autos gesetzt. Los!

Der Nebel in meinem Kopf verhüllt noch die gedankliche Vorbereitung auf die anstehende Tortur. Der Regen prasselt auf die Frontscheibe und verstärkt das Dröhnen in meinem Kopf. Zum Glück hat Basti die Organisation der Tour dieses Jahr übernommen. Angekommen, ein Wahnsinn! Sprüche ohne Ende von allen Seiten mit Niveau bis weit über den Rand unseres Sonnensystems, während ich versuche mich anzuziehen und zu sortieren. Nur Maik, unser Neuzugang von der Fantribüne, und Lennard (die Ruhigen!) wirken tiefenentspannt und bringen etwas Ruhe in den Haufen. Endlich fertig und ab zur Anmeldung. Herrmann was vergessen. Zurück! Dirk was vergessen. Zurück! Noch 15 Minuten bis zum Start! Tempo hier, Tempo dort! Orientieren, anmelden, Rucksäcke abgeben und ab in die Startzone! Hampelmann vor, zurück, rechts, links, „Ahh!“, „Uhh!“, „Ich schwöre…!“, „Ahuuu!“, Rauchfackel, Startsignal und ab in die Arena.

Das Tempo gefällt mir! Seicht durch die Landschaft. Treppen hoch, Treppen runter! Alle laufen zusammen und freuen sich auf die erste Station. Da vorne! Endlich, rein in die Pampe! Den Gesichtern der Erstteilnehmer Franz, Lennard, Dirk und Maik entspring Freude und bisschen Unsicherheit. Hermann vor mir legt sich so vorsichtig hin, als wolle er sauber im Ziel ankommen. Über mir Stacheldraht! Schön, dieser Mix aus Körperwärme, Matsch und kühlen Wasser an Leib und Füßen! Weiter! Maik hat was vor. Der rennt vorne und will Robin die Führung nicht alleine überlassen. Nächstes Hindernis! Ein Wasserbecken mit drübergelegten Bauzäunen! Hat was! Auf dem Rücken schwimmend und dem Gesicht nach oben ziehe ich mich unterhalb des Zaunes durchs Wasser. Echt wenig Platz zwischen Wasseroberfläche und Zaun! Beklemmend! Fühle mich wie ein Gefangener in Vietnam. Geschafft! Weg von hier! Da die nächste Station. Geil! Eckige Walzen im Wasser! Mein Ding. Rein mit Bombe! Befehle und Sprüche ringsum! „Hey Bockwurst, du bist zu dick!“ Eine junge Dame neben mir bat pitschenass freundlich „kann mir jemand helfen?“. Unverzüglich streckten ihr 40 Männerhände entgegen. Sie sucht sich die stärksten aus dem Angebot. Also auch toughe Frauen meistern die Strecke. Nächstes Jahr haben wir welche im Team! Ich fühle mich munter und fit. Der Restalkohol von der vorangegangenen Hochzeitsfeier hat sich verzogen. Endlich in Sichtweite der König aller Hindernisse. Ein Wald aus herabhängenden Stromkabeln ist zu durchlaufen. Ich sehe die Möglichkeit mich zwischen Kabeln durchzuschlängeln. Hin und wieder berühre ich eines von denen; nix! Plötzlich ein Fatschen. Meine Wade reist nach links aus und ein „japss“ entflieht meiner Kehle! Das tat weh! Hinter mir sehe ich Franz zu Boden stürzen und einige von uns das erste Mal „Aua“ rufen. Ich will weiter. Zwischendurch treffe ich auf unseren Ex-Teamkollegen Tim Berger mit seiner Digades-Crew aus Dresden und freue mich mit ihm über den verdichteten Werbeeffekt der Marke Digades auf den Shirts seines und meines Teams hier am Lausitzring.

…2 Stunden später…

Die Knie brennen, meine Lauftechnik verdient dieses Wort nicht mehr. Und das geht mir auf den Sack! Die Jungbullen vorne sind voll im Kriegsmodus. Robin gefällt sich in der Rolle des Unteroffiziers und brüllt „Schneller!“, Los jetze!“, „Lappen“, „Bockwurst“. Beim Thema „Team zusammenhalten“ sind wir noch im Rookie-Level. Das zeigt sich hin und wieder auch auf dem Spielfeld, wenn wir in Rückstand geraten – Fragmentierung. Eher zielloses Rumgestikulieren, statt Ruhe ausstrahlen und das Team zusammenführen. Na ja, war natürlich einkalkuliert. Ich kümmere mich um Dirk. Ich bemerke auch seine Schmerzen und versuche seine Motivation mit Banalitäten wie „ehi Dirki, Du ziehst echt krass durch!“ oben zu halten. Klang irgendwie blöd! Seine Gesichtszüge änderten sich nicht wirklich. Ähm „Dirk, ich bin total stolz, dass Du mit uns hier bist“. Auch kein Erfolg. Ich lasse es.

Da vorne zwei große Müllcontainer mit Rutschen. Alles klar, dass Eisbad! Tino und Christian stehen mit weit geöffneten Mund und Augen so groß wie Melonen im eiskalten Wasser. Vor mir rutscht Maik rein. Ich beobachte ihn, wie er sich an der Containerwand festhält. „Maik, alles klar?“ Ich ernte ein Abwinken und beobachte ihn noch eine Weile beim einfrieren. Er kann weiter. Nun ich. Plumps! Saug! Meine Brust schnürt sich zusammen und die Lunge implodiert in dem doch sehr kalten Wasser. Ich erwische mich beim Ausrufen von „Was isn das für’ne Schei…?“. Lennard, Hermann und Franz sehe ich im Augenwinkel, wie sie schockgefroren ihre Eindrücke auswerten. Beim Weiterlaufen merke ich die tiefer in meinen Körper eindringende Kälte. Ein kurzes Gefühl von anstehendem Durchfall durchsäuert mein Unterleib. Schön!

Maik gesellt sich von vorne zu uns. Er hat Probleme beim Laufen. Einzig Basti und Jakob lassen sich hin und wieder zurückfallen und kucken wo sie helfen können (Die Sozialen!). Meine Knie senden mir weiter Signale der Überlastung. Am Horizont erhebt sich ein Gerüstmonster aus dem Feld! Hangeln. Die vor uns fallen wie Lemminge ins Wasser. Mir ist klar, das ich das auch machen werde! Jakob, Basti, Tino vor mir kommen rüber. Ich greife die erste Stange. Boar! Vom Matsch eingecremt. Ich schaffe es kaum mich zu halten. 6. Stange, 7. Stange. Das wird nix! Absprung! Platsch! Wahrscheinlich das schwierigste Hindernis im Parcours. Fast alle von uns kommen rüber. Stark! Zwischendurch schiebe ich mir die dritte Banane in meinen Mund. Ich schmeiße die Schale wiederholt in den Wald und Jakob bemerkt diese Abweichung (wir hatten gerade eine Mülltonne passiert) mit „das machst Du jetzt schon das zweite Mal“ und wir besprechen kurz die Zersetzungsfähigkeit organischen Materials. Holzwände! So hoch wie die Berline Mauer! Geil! Teamwork pur! Ich drücke meinen Rücken zur Wand, öffne meine Hände und bitte um den ersten Fuß! Herrmann, Franz und dann noch Jakob steigen über meine Hände auf meine Schultern und springen wie zum Block ab. Autsch! Ich versuche Feedback zu formulieren und schon drückt mir Basti seinen Schuh in meine Hände und klettert an mir hoch. Absprung. Autsch! Ich frage mich, wer musste Lennard stemmen? Danach helfen mir Maik und Robin rüber. Nach dem Überwinden rennen wir in die Zielarena. Noch zwei Hindernisse und schon finde ich mich in dem wie immer praktizierten VVZ-Kreisel wieder und die Crew tanzt stolz und laut ins Ziel.

Der Blick in die Gesichter der Mitreisenden zeigt hohe Zufriedenheit über die gebrachte Leistung hier beim tough mudder 2018 am Lausitzring. Die Eindrücke werden noch einige Monde nachhalten.

Vielen Dank an Maik Binsch für die Teilnahme, das Fahren und den hervorragenden Kuchen und Basti für die Organisation.

Am 15.09. steht unser erstes Heimspiel an. Wir würden uns freuen, Euch in der Hauptturnhalle begrüßen zu können.

Einige Bilder stehen für Euch in der Gallery bereit und das Video hier:

https://www.youtube.com/watch?v=JgcN7T756Yk